Josef Seiter

*15.02.1929   † 10.10.2015

Täger des Bundesverdienstkreuzes am Bande

Eine Zusammenfassung seines Lebens

Aufgeschrieben von seiner Schwester

Kindheit und Jugend

Am 15 Februar 1929 wurde Josef Seiter als viertes Kind von Adolf und Katharina Seiter geb. Ganter in Kenzingen geboren. Seine älteren Geschwister sowie auch seine Mutter starben innerhalb kürzester Zeit. Sein Vater, ein Wyhler Landwirt, heiratete 1934 die Schwester seiner ersten Frau, Maria Ganter. Josef erzählte immer: “Ich bekam eine gute Mutter und weitere liebe Geschwister“.

Mit sechs Jahren wurde Josef in die Wyhler Volksschule eingeschult und eine seiner frühesten Kindheitserinnerungen war die Mai-Kundgebung der Nationalsozialistischen Partei in Wyhl. Josef wurde Ministrant und war nicht in der HJ., was nach seinen Worten „nicht einfach war“. Seine Gespräche als Bub mit seinem Vater und dem Vikar hielten ihn auf Abstand zur Ideologie der Nazis. Er erzählte auch von der Rettung des jüdischen Elektrikers der Zigarrenfabrik Burger vor der Gestapo. Auch von im Geheimen stattgefundenen Ministranten–Stunden.

Aufgrund der guten schulischen Leistungen wollten der Wyhler Pfarrer Max Graf sowie der Nachfolger Pfarrer Gärtner, Josef auf ein Gymnasium schicken, doch seine Eltern konnten sich das Schulgeld von 100 R. Mark nicht leisten.

Josef entschied sich daraufhin nach der Schulzeit 1943 zur Lehre als Schuhmacher in der Endinger Familie Ludwig Biechele (am Marktplatz). Mit 3 R. Mark Lohn pro Woche, Kost und Logis inbegriffen.

(Anmerkung: 100 Reichsmark entsprachen 1939 ca. 24,95 €, 3 Reichsmark ungefähr 75 Cent. Mehr Infos zu →Reichsmark und Umrechnung)

Samstags gegen Abend durfte er, soweit der Krieg es zuließ, nach Hause laufen und die Wäsche tauschen, am Sonntag Abend lief er die 5km wieder zurück nach Endingen. Dies tat er sieben Jahre lang. 1950 brach er die Arbeit als Schuhmacher aus gesundheitlichen Gründen ab und kam zurück nach Wyhl und half im Haushalt und in der Landwirtschaft.

Die gesamte Kriegszeit, die Evakuierungen nach Spaichingen, sowie die Entbehrungen, die Handwerkslehre und der frühe Tod der zweiten Mutter, 1951, prägten sein Wesen und stärkten sein christliches und religiöses Leben. Seine Erinnerungen auch z. B. an einen schrecklichen tödlichen Unfall mit zwei Mädchen, die zu Besuch aus Simonswald in Wyhl waren und auf Minen am Westwallbunker traten, ließen ihn zeitlebens nicht los. Dies erzählte er an seinen „z-Licht-go Abenden“

Kulturelles und kirchliches Engagement, Kolpingfamilie

In seiner Freizeit begann er sich in der Jungschar zu organisieren. Er besuchte Sozial-Seminare (1955 bis 1962) in Regensburg, Wien, Mannheim usw. Er war in der „Landjugend“ tätig.

Josef gründete mit anderen die Wyhler Kolpingfamilie (1952), da er schon in seiner „Endinger Zeit“ im Kolping war. Er trat anderen kulturellen, politischen und kirchlichen Vereinigungen bei.

Religionslehrer, Pfarrsekretär

Seine Ausbildung als Religionslehrer schloss er in Donauwörth und in Freiburg seine Missio ab, danach wurde Pfarrsekretär und Religionslehrer in Wyhl. Er arbeitete für die Kirche und bildete sich dabei ständig weiter.

Er inspirierte unzählige Kinder und Jugendliche, diskutierte gerne über den katholischen Glauben. In seinem Unterrichtsfach Religion versuchte er den Glauben der Kinder zu festigen und zu fördern.

Er war bis zu seinem Tod Katechet für Firmlinge und Kommunionkinder und freute sich immer auf die Gruppen. Für viele Jugendliche im Ort war er Ansprechpartner. Nächstenliebe war seine Tugend. Als Pfarrsekretär war er Verwalter und aber auch Seelsorger und Ratgeber in einem.

In seine Dienstzeit vielen einige kleine und große Renovierungen der Kirche und des Pfarrhauses, die ihn viel Kraft kosteten.

Chorgemeinschaft

Jahrelang sang Josef in der Chorgemeinschaft und war deren Vorsitzender. Sein Motto war:

»Wo man singt, da lass dich nieder, nur frohe Menschen singen Lieder«

Er gestaltete viele Theater- und Operettenaufführungen, bei welchen er selbst als Tenor mitwirkte. Legendär waren die von ihm geführten Vereinsmeisterschaften der Vereine, die im „Wettkampf“ gegeneinander sangen. Die Gemeinschaft der Sänger auch in der Region waren sein Herzblut und seine Muse. Zeitweise sang er in einem Breisacher Chor oder zusammen mit dem Chor aus Kichlingsbergen.

In ihm zerbrach auch etwas, als er die Auflösung der Chorgemeinschaft miterleben musste und diese nicht verhindern konnte (Der Männergesangsverein Wyhl bestand rund 150 Jahre).

Vereinsgemeinschaft

Josef war als Gemeinderat Mitinitiator bei der Gründung eines Komitee zum Bau eines Gemeinschaftshauses (1976). Daraus wurde später die Vereinsgemeinschaft und Josef war jahrelang deren Sprecher sowie Vorsitzender.

Ihm gelang es immer den vollen Terminkalender der Wyhler Vereine zu koordinieren und er erfand den Wyhler Veranstaltungskalender. Er organisierte zahlreiche Gassenfeste, Pfarrfeste sowie Neujahrsempfänge, er wollte immer ein großes Vereinshaus oder ein Bürgerhaus und Schwimmbad bauen. Er war deshalb maßgeblich am Bau des kleinen Saals in der Sporthalle beteiligt.

Er war stets für ein gerechtes Miteinander und stand für Harmonie zwischen den sportlichen und kulturellen Vereinen.

Kath. Bildungswerk, Kirchenchor, Lektor, Kommunionhelfer

Josef leitete bis zu seinem Tod das kath. Bildungswerk und organsierte Reisen, Vorlesungen und Seminare. Pilgerfahrten zu allerlei kath. Pilgerorten wie Rom, Israel, Fatima, usw. waren ihm eine Pflicht und eine Kür. Seine Schulkinder profitierten davon im Religionsunterricht.

Er war bis zu seinem Tode Lektor und Kommunionhelfer sowie Mitglied (1955) im kath. Kirchenchor als Tenor und fünfundzwanzig Jahre als Vorstand. Viele Wortgottesdienste im Altersheim und in kleineren Gebetskreisen organisierte er mit. Er war Einsatzleiter der Dorfhelferinnenstation und später im Vorstand der Sozialstation St. Martin Endingen.

Kindergärten

Im Kuratorium Kindergarten war er Ansprechpartner zwischen der politischen Gemeinde und den kirchlichen Stellen im Bezug der Kindergärten. Maßgeblich war er am Bau des Kindergarten St. Katharina und dem Umbau St. Josef beteiligt. Er ließ es sich nicht nehmen und spielte jahrelang den Nikolaus für die Kinder.

Politik, CDU, Gemeinderat

1953 trat Josef in die Junge Union ein und 1957 wechselte er in die Wyhler CDU, die er ab 1962 als Vorsitzender bis 1993 leitete. Ab 2003 war Josef Ehrenvorsitzender der Wyhler CDU Fraktion. Ab 1965 kam Josef innerhalb der CDU in den Gemeinderat und war lange deren Fraktionssprecher. Josef wirkte bis 1999 in vielen großen und kleinen Projekten innerhalb der Partei.

Den Wandel seiner Wyhler Heimatgemeinde erlebte er nicht nur mit, sondern gestaltete ihn maßgeblich. Ob die Gestaltung von Neubaugebieten, die Ortskernverschönerung, den Schul-und Hallenbauten, das Industriegebiet hörte Josef nicht auf; sich in jedes Thema einzuarbeiten, viele Meinungen zu hören, um dann das Beste für unser Dorf zu erreichen.

»Immer im Glauben und der Hoffnung, das Richtige zu tun«

Dies zeigte sich in den siebziger Jahren auch im Bezug auf den Bau eines Kernkraftwerkes in Wyhl. Josef war ein bekennender Befürworter und hoffte auf einen großen Vorteil für das Dorf. Der Widerstand in der Bevölkerung war für ihn schlimm, denn diese Frage nach Kernenergie spaltete die Dorfgemeinschaft.

Seine Stellungnahme im Bezug auf die Geschichte des Wyhler Kernkraftwerks, kann man im →Jahrbuch „s Eige zeige" 2015 im Kapitel „Siebenunddreißig Wyhl Geschichten“ nachlesen. Zitat „…wir sind nicht mit Juchhe in diese Sache reingegangen, aber es war ein Lernprozess".

Heimatverein

Er war Mitbegründer des Heimatvereines und las sich in die Wyhler Geschichte und die Wyhler Chronik von Fritz Späth ein. Josef war jahrelang Museumsführer. Er veröffentlichte den Wyhler Kirchenführer und gestaltete mit seinem Freund Edwin Röttele die Wyhler Chronik Band II. Er half beim Aufbau des Museums mit und lieferte zu den Objekten das theoretische Fachwissen. Bei den Festen und Ausstellungen war sein Wissen unübertroffen und er koordinierte einige Events oder auch Kirchenführungen.

Bei der Aktion Kleindenkmale 2011-2017 übernahm er die Leitung der Arbeitsgruppe und fasste mit dieser alle Denkmale in Wyhl zusammen. Daraus entstand das Fotobuch “Wyhler Wegkreuze“

(→ Ein Bericht der Badischen Zeitung über die Austellung des Heimatvereins im September 2011)

Ruhestand?

1995 verließ er den Schuldienst 2002 endete seine Zeit als Pfarrsekretär und 2010 schied er nach vierzig Jahren aus dem Pfarrgemeinderat aus.

Er bekam von der Wyhler Gemeinde die Verdienst Medaille in Gold und erhielt 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande, überhaupt als erster und bisher einziger Wyhler.

Bei der Verleihung sprach Landrat Hanno Hurth:

“Mit seinem Wirken und seiner lebensbejahenden, offenen Art sei Josef Seiter Vorbild gerade für jüngere Menschen. Nur wenige könnten ermessen, mit welchen persönlichen Opfern seine jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit verbunden gewesen sei.“

Eine Zusammenfassung der gehaltenen Trauerreden wäre folgend:

Sein Engagement, sein Einsatz, sein universelles Wissen, sein Glaube, seine Toleranz, sein Mitgefühl und seine ruhige diplomatische Art waren für das Allgemeinwohl in Wyhl und Umgebung, in vielen großen und kleinen, öffentlichen und privaten Aufgaben, Fragen und Lösung.

»Josef Seiter war ein wahrer Segen für unser Dorf Wyhl und dessen Gemeinschaft«